Station 14 - Sitzbank „Immichenhain-Blick“
14 Sitzbank „Immichenhain-Blick“
Hier bietet sich ein schöner Blick über das Dorf Immichenhain mit der Kapelle des ehemaligen Klosters und den Gebäuden der heutigen Staatsdomäne auf der linken Seite, wo sich das Tal des Bodenbachs in Richtung Schrecksbach öffnet. Darüber der Volkersberg und weiter im Hintergrund bei guter Sicht der Höhenzug des Kellerwalds. Weiter rechts in nordöstlicher Richtung folgen das Grenfftal und darüber die Häuser von Hauptschwenda sowie mit den vier Windrädern das Knüllköpfchen (634 m), die zweithöchste Erhebung des Knüllgebirges.
Zur Geschichte von Immichenhain:
Hervorgegangen aus einer Klostergründung der Prämonstratenser zunächst als Doppelkloster, dann etwa ab 1124/1149 als Augustiner-Chorfrauenstift, wird der Ort Immichenhain 1231 als Ymmichenhagen erstmals urkundlich erwähnt. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1527 aufgehoben. Die Reformation in Hessen wurde maßgeblich durch Landgraf Philipp I. („der Großmütige“) initiiert, der 1526 auf der Homberger Synode die Reformation offiziell einführte. Hessen wurde so zu einem Pionierland mit der Gründung der ersten evangelischen Universität in Marburg (1527) und der Einführung der Konfirmation in Ziegenhain.
Landgraf Philip I. von Hessen belehnte seinen Kämmerer und Geheimen Rat Konrad (Curth) Diede 1538 mit der Hälfte des ehemaligen Klosterguts, das 1544 um das Dorf Immichenhain erweitert wurde.
Durch die Erbteilung nach dem Tod von Philipp I. 1567 entstanden neben Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels auch die Landgrafschaften Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel. Der Grenzverlauf zwischen diesen beiden wird auch durch die Grenzsteine, die Sie auf dieser Wanderung sehen, markiert und hatte für die Dauer von fast vier Jahrhunderten Bestand. Im Bereich der „nassen Grenze“ einschließlich der Immichenhainer Teiche hat sie sogar bis heute Bedeutung als Landkreisgrenze.
Die 1596 geadelte Familie Diede zum Fürstenstein blieb dann bis zu Tode von Wilhelm Christoph, des letzten männlichen Vertreters dieses Geschlechts, im Jahre 1807 im Besitz von Gut und Dorf. Mit der Auflösung des Königreichs Westphalen fiel der Besitz nach 1813 schließlich als erledigtes Lehen an das Kurfürstentum Hessen(-Kassel) zurück. Seitdem wird das Hofgut als Staatsdomäne verpachtet.
Die frühgotische Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert blieb weitgehend erhalten, obwohl im Dreißigjährigen Krieg Tillys Truppen 1631 Dorf und Kloster verwüsteten. Noch heute beherbergt sie ein romanisches Taufbecken (um 1200), Wandmalereien aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sowie fünf Epitaphien (Grabmäler) der Familie von Diede (1565 bis 1710).
Am 1. April 1972 wurde das bis dahin selbstständige Immichenhain in die Gemeinde Ottrau eingegliedert, die im Rahmen der Gebietsreform ab 1. Januar 1974 dem neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis zugeordnet wurde. Das Dorf Immichenhain hat derzeit (Stand 2026) etwas über 600 Einwohner.